Factoring Arten: Liquidität steigern & Ausfallrisiko senken? Lesen Sie, wie z.B. echtes & Full-Service-Factoring funktionieren & welche Art passen könnte. Factoring ist eine moderne Finanzierungsform, bei der ein Unternehmen seine offenen Forderungen an ein Factoring Unternehmen, den Factor, verkauft. Im Gegenzug erhält es in der Regel innerhalb von 24 bis 48 Stunden bis zu 100% des Rechnungsbetrags ausbezahlt. Zusätzlich übernimmt der Factor je nach Modell weitere Aufgaben wie das Ausfallrisiko oder das Mahnwesen. Dadurch verbessert sich Ihre Liquidität, Sie gewinnen Planungssicherheit und entlasten Ihre Buchhaltung.
Diese Grundmechanik – Forderungsverkauf gegen sofortige Liquidität – ist bei allen Factoring Arten gleich. Unterschiede gibt es jedoch im Leistungsumfang, bei der Risikoverteilung und der Abwicklung. Welche Variante für Ihr Unternehmen am besten geeignet ist, hängt von Ihrer Branche, der Kundenstruktur und Ihren Zielen ab.
Die verschiedenen Factoring-Modelle und Factoring Arten lassen sich meist entlang folgender Unterscheidungsmerkmale klassifizieren: Dienstleistungsumfang, Risikoübernahme, Transparenz gegenüber dem Schuldner, Auswahl der Forderungen und Auszahlungszeitpunkt. Im deutschen Markt haben sich einige Modelle besonders etabliert:
| Factoring Art | Begriff / Alternative Bezeichnungen | Merkmale & Vorteile | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| Full Service Factoring (Standardfactoring) | Standard-Factoring | Der Factor übernimmt drei Funktionen: Finanzierung (Sie erhalten sofort einen Großteil der Rechnungssumme ausgezahlt), Delkredere (Schutz vor Forderungsausfällen) und Dienstleistung (komplette Debitorenbuchhaltung inkl. Mahnwesen und Inkasso). Vorteil: Sie gewinnen Liquidität, lagern administrative Aufgaben aus und minimieren Ausfallrisiken. | Für Unternehmen, die vollständige Entlastung wünschen. |
| Offenes Factoring | – | Ihre Kunden werden aktiv darüber informiert, dass die Forderung an den Factor abgetreten wurde und künftig Zahlungen direkt an diesen erfolgen. Das schafft klare Strukturen und sorgt für schnelleren Zahlungseingang, weil der Debitor klare Zahlungsinstruktionen erhält. Zudem verbessert die Transparenz die Abwicklung und reduziert Rückfragen. | Weit verbreitet in Deutschland; schafft Klarheit und Transparenz. |
| Stilles Factoring | – | Hier wird der Debitor nicht über die Abtretung informiert. Sie bleiben als Rechnungssteller sichtbar. Vorteil: Diskretion und Wahrung der Kundenbeziehung, insbesondere bei sensiblen Geschäftsverhältnissen. Allerdings sind die Anforderungen höher (Bonität, geringere Ausfallrisiken) und der Verwaltungsaufwand bleibt teilweise bei Ihnen. | Nur bei guter Bonität und typischerweise erst größeren Unternehmen angeboten. |
| Echtes Factoring | Regressfreies Factoring | Der Factor übernimmt vollständig das Delkredere-Risiko. Das bedeutet: Selbst wenn Ihr Kunde nicht zahlt, erhalten Sie den Forderungsbetrag trotzdem. Das bietet maximale Planungssicherheit und schützt Ihre Bilanz vor Zahlungsausfällen. | In Deutschland nahezu der Standard – die Mehrzahl der Factoringverträge ist echt. |
| Unechtes Factoring | Nicht-regressfreies Factoring | Der Factor übernimmt nicht das Ausfallrisiko. Wenn der Debitor nicht zahlt, müssen Sie den Betrag selbst ersetzen. Vorteil: Die Kosten sind meist geringer, weil kein Ausfallschutz enthalten ist. Dennoch profitieren Sie von Liquidität und optionalen Dienstleistungen. | Selten in Deutschland, eher in Spezialfällen. |
| Inhouse Factoring (Bulk-, Eigenservice-Factoring) | – | Sie behalten das Mahnwesen und die Debitorenbuchhaltung selbst in Ihrem Haus, während der Factor nur Finanzierung und optional das Delkredere übernimmt. Vorteil: Kostenersparnis und mehr Kontrolle über das Kundenmanagement, kombiniert mit Liquiditätsgewinn und Absicherung. | Für Unternehmen mit eigener Debitorenverwaltung, die Kosten für externes Mahnwesen vermeiden möchten. |
| Fälligkeits- / Maturity-Factoring | – | Der Factor übernimmt das Ausfallrisiko und gegebenenfalls Serviceleistungen, ohne die Forderung sofort vorzufinanzieren. Auszahlung erfolgt erst, wenn der Debitor bezahlt. Vorteil: Absicherung und Entlastung, ohne Zinskosten für eine Vorfinanzierung. Ideal, wenn Liquidität aktuell kein Engpass ist, aber Sicherheit gewünscht wird. | Wenn Sie Absicherung oder Dienstleistung nutzen wollen, aber nicht sofortige Liquidität benötigen. |
| Selektives Factoring / Ausschnittsfactoring | Auswahlfactoring | Sie entscheiden, welche Forderungen oder Debitoren Sie an den Factor verkaufen möchten. Das erlaubt eine gezielte Liquiditätssteuerung und die Optimierung von Kosten – zum Beispiel, indem nur Forderungen mit langen Laufzeiten oder höherem Risiko ausgelagert werden. | Wenn manche Kunden risikoreicher sind oder bestimmte Forderungen ausgespart werden sollen. |
| VOB-Factoring | – | Spezialisierte Variante für Bauunternehmen. Berücksichtigt Abschlagszahlungen, Teilrechnungen, Sicherungseinbehalte und VOB-spezifische Zahlungsmodalitäten. Vorteil: Planbare Liquidität trotz komplizierter Bauverträge, Entlastung bei der Verwaltung und Absicherung gegen Ausfälle. | Für Unternehmen im Bau oder Handwerk, die mit den Besonderheiten der VOB arbeiten müssen. |
| B2C-Factoring | – | Fokus auf Forderungen gegenüber Privatkunden. Der Factor übernimmt Zahlungsausfälle und das Mahnwesen, häufig auch Bonitätsprüfung der Endkunden. Vorteil: geringere Ausfallrisiken, schnellere Zahlungseingänge, bessere Kalkulierbarkeit. | Wenn Sie als Unternehmen auch Privatkunden Zahlungsziele einräumen. |
| Reverse Factoring (Einkaufsfactoring / Lieferantenfactoring) | – | Der Käufer initiiert das Factoring. Lieferanten erhalten sofortige Zahlung durch den Factor, während der Käufer verlängerte Zahlungsziele behält. Vorteil: Stärkung der Lieferantenbeziehung, bessere Einkaufskonditionen und stabilere Lieferketten. | Besonders interessant in Lieferketten mit großen Abnehmern, wenn Sie Lieferanten unterstützen möchten. |
Hinweis: In Deutschland ist in der Praxis vor allem das echte Factoring in offener Form verbreitet. Stilles Factoring wird nur vereinzelt angeboten.
Die verschiedenen Factoring Arten lassen sich grundsätzlich nach folgenden Hauptkriterieren unterscheiden:
Factoring kann für eine Vielzahl von Branchen und Geschäftssituationen vorteilhaft sein – besonders dann, wenn Rechnungsziele lang sind, Liquiditätsschwankungen drohen oder Sie das Forderungsmanagement auslagern wollen. Im Folgenden einige typische Einsatzfälle:
Logistikdienstleister haben Vorlaufkosten für den Fuhrpark, Personal, Lagerkosten wie auch Maut, etc. Oft bestehen hier verlängerte Zahlungsziele, so dass Kundenzahlungen erst spät erfolgen.
Als lizenzierte Bank (zugelassen durch die Bafin) bieten wir Ihnen zusätzliche Sicherheit – insbesondere im Vergleich zu einem reinem Finanzdienstleister-Modell.
Es gibt verschiedene Factoring-Arten, die sich nach der Risikoübernahme (echtes/unechtes Factoring), dem Leistungsumfang des Factors (Full-Service/Inhouse Factoring) und der Offenlegung im Rahmen der Forderungsabtretung (offenes/stilles Factoring) unterscheiden. Darüber hinaus gibt es noch Sonderfälle.