Wie wirkt sich Factoring auf das Rating eines Unternehmens aus

Als Finanzinstrument wirkt sich Factoring auf verschiedene Unternehmensbereiche aus, vor allem aber lässt es sich auf die speziellen Bedürfnisse abstimmen. Der Verkauf offener Forderungen setzt sofort Liquidität frei. Darüber hinaus kann es bei entsprechender Mittelverwendung die gesamte Bilanzstruktur sowie die Eigenkapitalquote optimieren.

Forderungen verkaufen - Ausfallrisiko outsourcen

Mit dem bedarfsgerechten Einsatz von Factoring können Unternehmen aus ihren offenen Forderungen sofort Liquidität generieren. Rund 90 Prozent des Forderungsbestandes werden in der Regel von Factoringunternehmen finanziert. Die Sicherheitsleistung in Höhe von zehn Prozent wird nach dem Eingang der Kundenzahlung und nach Abzug der Factoring-Kosten (Factoringgebühren und –zins) abgerechnet. Wesentlich wichtiger ist jedoch, dass das gesamte Forderungsausfallrisiko auf das Factoringunternehmen übergeht. Sollte der Kunde (Debitor) das Zahlungsziel deutlich überschreiten, wird die Sicherheitsleistung (i.d.R. 120 Tage nach Fälligkeit) komplett erstattet. Gleichzeitig geht das Unternehmen sicher, dass eine professionelle Bonitätsprüfung neuer Kundenverbindungen durchgeführt wird. Der Factoring-Dienstleister erledigt dies schon im eigenen Interesse. Sollte es zu Zahlungsverzögerungen kommen, wird dann das gesamte Mahnwesen vom Factoring-Dienstleister übernommen - auch hier profitiert das Unternehmen.

Bilanzverbesserung erzielen - Eigenkapital aufstocken

Die zufließenden Mittel (aus dem Verkauf der Forderungen) bewirken zunächst einmal einen Aktivtausch von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen hin zu Bankguthaben. Werden mit der zugeflossenen Liquidität Kreditlinien und Lieferantenkredite (eigentlicher Sinn und Zweck von Factoring) bedient, reduzieren sich die entsprechenden passiven Bilanzpositionen (Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen und kurzfristige Kredit / Betriebsmittelkredite) - die gesamte Bilanz wird verkürzt.
Das folgende Beispiel zeigt eine Musterberechnung.

Ein Beispiel:

Firma X hat einen Forderungsbestand von 200.000 Euro bei einer Bilanzsumme von 500.000 Euro. Die Eigenkapitalquote beträgt 20 Prozent, also 100.000 Euro. Die Geschäftsführung schaltet ein Factoringunternehmen ein, um einen Großteil der Forderungen verkaufen zu können. Der so erzielte liquide Zufluss beträgt 125.000 Euro. Hiermit werden Bankkredite und Lieferantenverbindlichkeiten im gleichen Maße zurückgeführt. Die Bilanzsumme (BS) verkürzt sich somit auf 375.000 Euro. Die neue Eigenkapitalquote erhöht sich nun von 20 % (100 T€ EK : 500 BS) auf 26,7 % (100 T€ : 375 T€). Im Gegenzug nimmt der Fremdkapitalanteil deutlich ab. Diese Bilanzverbesserung wird dadurch erreicht, dass das Unternehmen seine offenen Forderungen an ein Factoring Unternehmen verkauft und dadurch bis zu 90 % an Liquidität ausgezahlt bekommt. Diese Auszahlung verwendet das Unternehmen zur Rückführung seiner Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sowie für kurzfristige Bankkredite.

Factoring - bedarfsgerecht gestalten

Die Factoring-Dienstleistungen lassen sich darüber hinaus nutzen, um auf der Kostenseite deutlich einzusparen. Beispielsweise können Einkaufskonditionen (Skonto Ziehung) nachverhandelt werden, wenn die Liquidität aus dem Verkauf der offenen Forderungen schnell zur Verfügung steht und zum Einkauf eingesetzt wird. Der Forderungsbestand muss andererseits nicht mehr teuer finanziert werden. Auf diese Weise lassen sich die anfallenden Factoring-Kosten gegenrechnen oder sogar ganz ausgleichen. Die Factoring-Dienstleistungen können individuell vereinbart werden, beispielsweise lässt sich das gesamte Debitoren-Management (Full-Service-Verfahren) effektiv auslagern, aber auch das qualifizierte Mahnwesen (Full-Service-Verfahren) inklusive Inkasso kann von einem Factoringunternehmen übernommen werden. Für das Unternehmen selbst ergibt sich so eine schlankere Struktur und damit niedrigere Kosten. Der Factoring-Dienstleister wiederum liefert ein regelmäßiges Update zum aktuellen Forderungsbestand und damit eine belastbare Grundlage für unternehmerische Entscheidungen.

Besseres Rating - vielfältige Auswirkungen

Unter dem Strich lässt sich festhalten, dass die Bilanzverbesserung, insbesondere durch die höhere Eigenkapitalquote und den niedrigeren Verschuldungsgrad, sich direkt auf das Rating auswirken. Die Kennziffern sind wichtige Eckdaten für die Unternehmensbewertung, die den Banken, Wirtschaftsauskunfteien, aber auch Kunden und Lieferanten zur Einschätzung der wirtschaftlichen Situation eines Unternehmens dient. Factoring kann also als ein intelligentes Finanzinstrument eingesetzt werden, das zum einen kurzfristige Liquiditätszuflüsse generiert, die eigenen Kosten für das Debitoren-Management, für bezogene Waren und Leistungen, aber auch die Finanzierung der Forderungsbestände reduzieren kann. Gleichzeitig kann die so zu erzielende Bilanzverbesserung das Rating positiv beeinflussen, was wiederum zu günstigen Konditionen bei Banken oder Lieferanten führt. Ausschlaggebend für die Effekte ist der passgenaue Zuschnitt der vielfältigen Factoring-Dienstleistungen auf den konkreten Bedarf des Unternehmens.